Startseite / Wissen / Maschinendatenerfassung

Maschinendatenerfassung in der Produktion

Kurzantwort

Maschinendatenerfassung heißt: Werte, die an der Anlage ohnehin entstehen, automatisiert auslesen, mit Zeitstempel und Bezug speichern und dorthin geben, wo jemand sie braucht. Der Aufwand liegt selten am Auslesen — er liegt davor: Welche Werte, in welchem Takt, mit welchem Bezug, und in welches Zielsystem?

Lesezeit 8 MinutenZuletzt aktualisiert: 27. September 2026Fachredaktion inray Industriesoftware

Links drei Datenquellen der Anlage, in der Mitte die Erfassung mit Zeitstempel, Einheit und Auftragsbezug, rechts drei Ziele.

Definition: Maschinendatenerfassung

Maschinendatenerfassung (MDE) bezeichnet das automatisierte Auslesen, Speichern und Auswerten von Daten aus vernetzten Maschinen. Sie ist für viele Betriebe der erste Schritt der Digitalisierung — und zwar nicht, weil sie besonders schwierig wäre, sondern weil alles Weitere darauf steht: Ohne gemessene Werte gibt es nichts zu vergleichen, nichts zu regeln und nichts vorherzusagen.

Der Nutzen entsteht durch Transparenz: Wenn laufend sichtbar ist, was eine Anlage tut, lässt sich die Produktion besser steuern, und Schwachstellen zeigen sich, statt vermutet zu werden.

Zwei Arten von Maschinendaten

„Maschinendaten“ fasst alles zusammen, was sich zur Laufzeit aus einer Maschine abrufen lässt. Für die Praxis lohnt eine Unterscheidung, weil beide Arten verschieden gespeichert und verschieden genutzt werden.

Art 1

Einfache Datenpunkte

Prozessdaten, die kontinuierlich oder bei Änderung mitgeschrieben werden: Wert plus Zeitstempel. Aus ihnen entsteht eine Datenreihe, über die sich der Zustand einer Maschine im Zeitverlauf beurteilen lässt.

Art 2

Zusammenhängende Datensätze

Daten mit einer eindeutigen Referenz — Fertigungsauftrag, Materialnummer, Maschinennummer, Charge. Daran hängen dann Prüfergebnisse, Verbrauchsdaten oder Rückverfolgungsdaten. Erst der Bezug macht aus einem Wert eine Aussage über dieses Produkt.

Wie die Werte herauskommen

Voraussetzung für alles ist eine durchgängige Vernetzung; in der Industrie hat sich dafür die IP-basierte Vernetzung durchgesetzt — über Ethernet, WLAN oder Mobilfunk. Moderne Steuerungen bringen den Netzanschluss mit und müssen nur aktiviert und konfiguriert werden.

WegWas er leistetWorauf zu achten ist
OPC UADefiniert den Datenzugriff herstellerunabhängig, beschreibt Datenstrukturen und Hierarchien und lässt sie durchsuchen. Eine Erfassung, die darauf steht, ist erweiterbar, plattformunabhängig und branchenübergreifend.Die Maschine muss einen OPC-UA-Server mitbringen oder einen vorgeschaltet bekommen.
MQTTLeichtgewichtig, für geringe Bandbreiten und schwache Geräte. Läuft über einen Broker nach dem Veröffentlichen/Abonnieren-Prinzip; der Sender legt je Nachricht das Thema fest.Für den Inhalt einer Nachricht gibt MQTT keine Struktur vor. Meist steckt JSON oder XML darin — Sender und Empfänger müssen sich außerhalb von MQTT einigen.
Ältere AnlagenBestehende Steuerungen werden über ihr eigenes Protokoll angebunden und dabei auf den Standard gehoben.Ohne Netzanschluss geht es nicht; ältere Protokolle bringen zudem oft keine Sicherheitsmechanismen mit.

Zyklisch abfragen oder bei Änderung melden

Einzelstrecken gegen Anbindung über die Middleware

Dieselbe Aussage, zwei Wege: neun Abfragen im festen Takt gegenüber zwei Meldungen, die genau bei einer Änderung entstehen.

Wer im festen Takt abfragt, erzeugt Last — auf der Steuerung, im Netz und in der Datenbank — auch dann, wenn sich nichts geändert hat. Wer sich melden lässt, bekommt Einträge nur bei einer Änderung. Für Zustände und Zähler ist das fast immer der bessere Weg; für langsam wandernde Messwerte kann ein fester Takt sinnvoller sein, weil er lückenlose Reihen liefert.

Wohin die Daten gehören

Wird nur für ein Zielsystem erfasst, übernimmt dieses meist auch die Speicherung. Sobald mehrere Systeme dieselben Werte brauchen, ist die zentrale Datenbank der sinnvollere Ort.

Relationale Datenbank
MS SQL Server, Oracle, MySQL: feste Tabellenstrukturen, aus denen sich verschiedene Zielsysteme bedienen. Der verbreitete Normalfall.
NoSQL
Lose Strukturen statt Tabellen — dokumentorientiert, Zeitreihen, Key-Value, Graphen. Sinnvoll bei großen Mengen und wechselnder Struktur.
Cloud
Relationale Datenbanken, NoSQL oder ein Data Lake; darauf Dashboards, Monitoring und Auswertungen bis hin zu maschinellem Lernen. Die Lieferung richtet sich nach der Plattform — oft MQTT, teils OPC UA, teils direkt in die Datenbank.

Was die Erfassung im Alltag ändert

Der Aufbau kostet: Vernetzung, gegebenenfalls Erweiterung der Steuerungen, Software und vor allem Arbeitszeit für Planung und Umsetzung. Was dem gegenübersteht, ist selten ein einzelner großer Posten, sondern eine Reihe kleiner:

  • manuelle Erfassung entfällt
  • Reaktionszeiten sinken, weil die Information sofort vorliegt
  • Planung von Personal und Material wird genauer, weil Zeiten und Verbräuche gemessen statt geschätzt sind
  • Störungen werden sofort verteilt, statt erst bei der Runde aufzufallen
  • Wartungszyklen lassen sich einhalten und perspektivisch vorhersagen
  • Auskünfte an Kunden werden belastbarer, etwa zu Lieferzeiten

Der Wert einer Erfassung steigt mit jedem System, das dieselben Daten nutzt. Deshalb lohnt es, beim Aufbau nicht nur an das erste Zielsystem zu denken, sondern an das zweite und dritte — ein Datenpunkt, der einmal sauber erfasst ist, kostet beim nächsten Verwendungszweck nichts mehr.

Was beim Vernetzen dazugehört

Eine vernetzte Maschine ist angreifbarer als eine nicht vernetzte. Das ist kein Argument gegen die Vernetzung, sondern eines für zwei Vorkehrungen, die von Anfang an mitgeplant gehören:

Netztrennung. Klar unterscheiden, welche Netzbereiche es gibt, wie sie verbunden sind und welche Kommunikation zwischen ihnen erlaubt ist — umgesetzt mit einer Firewall. Für Produktionsnetze gibt es Lösungen, die zusätzlich einzelne Inseln gegeneinander abschotten; geöffnet wird nur, was die Erfassung braucht, und nur für bestimmte Clients.

Zertifikate. OPC UA hat Sicherheit als Standardanforderung umgesetzt: verschlüsselte Übertragung und ein Zertifikatsaustausch zwischen Client und Server. Ältere Protokolle stammen aus einer Zeit, in der das keine Rolle spielte — dort trägt die Absicherung das Netz, nicht das Protokoll.

Umsetzung mit connubes

connubes liest die Werte an der Quelle ab — über OPC UA, MQTT, direkt aus Steuerungsfamilien oder über ein Script, wo es kein Standard-Plug-in gibt — und legt sie dort ab, wo sie gebraucht werden: in der Datenbank, im MES, im ERP oder in der Cloud. Konfiguriert wird per Drag & Drop; welche Systeme heute angebunden werden können, steht auf der Plug-in-Übersicht.

Begriffe kurz erklärt

OPC UA
Herstellerunabhängiger Standard für den Datenzugriff, mit Beschreibung von Strukturen und Hierarchien und mit Sicherheit im Konzept.
MQTT, Broker, Topic
Leichtgewichtiges Protokoll nach dem Veröffentlichen/Abonnieren-Prinzip. Der Broker nimmt alle Nachrichten entgegen und verteilt sie; das Topic sagt, worum es geht.
Prozessdatum
Ein einzelner Wert mit Zeitstempel, aus dem sich eine Datenreihe ergibt.
Datensatz
Mehrere Werte mit einer gemeinsamen Referenz — Auftrag, Charge, Material.
Predictive Maintenance
Wartung nach Zustand statt nach Kalender, auf Basis erfasster Verläufe.

Häufige Fragen

Was ist Maschinendatenerfassung?

Das automatisierte Auslesen, Speichern und Auswerten von Daten aus vernetzten Maschinen — mit Zeitstempel und, wo nötig, mit Bezug zu Auftrag oder Charge.

Brauche ich dafür neue Maschinen?

Nein. Voraussetzung ist ein Netzanschluss. Moderne Steuerungen bringen ihn mit; ältere Anlagen werden über ihr eigenes Protokoll angebunden und dabei auf den Standard gehoben.

Zyklisch abfragen oder bei Änderung melden lassen?

Für Zustände und Zähler ist die Meldung bei Änderung fast immer besser: gleiche Aussage, weniger Last. Für langsam wandernde Messwerte kann ein fester Takt sinnvoller sein, weil er lückenlose Reihen liefert.

Wohin gehören die Daten?

Sobald mehr als ein System sie braucht, in eine zentrale Datenbank — relational für feste Strukturen, NoSQL für große Mengen und wechselnde Struktur, die Cloud für Auswertung über Standorte hinweg.

Macht die Vernetzung meine Anlage angreifbar?

Sie erhöht die Angriffsfläche, ja. Netztrennung mit Firewall und segmentierten Produktionsinseln sowie verschlüsselte, zertifikatsgesicherte Protokolle wie OPC UA halten das Risiko klein.

Welche Systeme sollen bei Ihnen miteinander sprechen?

Schildern Sie uns Ihre Systemlandschaft — wir sagen Ihnen, welche Anbindungen passen und wo ein Script sinnvoller ist.